Thilo Sarrazin schreibt in rechtslibertären Blatt

Sarrazins ef-Kolumne
Seit der Ausgabe Nummer 159, Januar/Februar 2016, schreibt das SPD-Mitglied Thilo Sarrazin, für das rechtslastige Blatt „eigentümlich frei“ (ef), in einer eigenen Kolumne mit dem Titel „Fakt ist…“. Das Monatsmagazin ef weist Überschneidungen zur extremen Rechten auf und vertritt auf Wirtschaftsebene einen marktradikalen Kurs. In letzter Zeit sympathisierte ef auf parteipolitischer Ebene mit der AfD.

Sigmar Gabriel für Sarrazins Verbleib in der SPD

Aus einem Artikel in der „Hannoverschen Allgemeinen“ über den Auftritt von Sarrazin in Bad Iburg:

„Vor wenigen Monaten erst habe er die von Parteichef Sigmar Gabriel unterzeichnete Ehrenurkunde für 40 Jahre Mitgliedschaft in der SPD erhalten, erzählt er. Gabriel war es, der ihn unbedingt aus der Partei haben wollte. 2011 hatte die SPD ein Parteiausschlussverfahren angestrengt, das aber eingestellt werden musste.“

Ähnliches sagte Thilo Sarrazin auch im Interview mit der „Berliner Morgenpost“:

„Nachdem das Parteiausschlussverfahren gegen mich gescheitert war, rief mich Sigmar Gabriel an und bat mich, die Streitaxt zu begraben. Daran habe ich mich bis heute gehalten und gedenke das auch weiterhin zu tun.“

Sarrazin als Redner bei der AfD

Während Sarrazin im Ausland ohne Folgen für seine SPD-Mitgliedschaft bereits bei den rechtspopulistischen Parteien FPÖ und SVP auftreten konnte, hatte er sich bisher von der AfD fern gehalten. Dabei wird diese Parteineugründung von Kritiker*innen teilweise als „Sarrazin-Partei“ eingeschätzt. Gerüchten zufolge hat sich der AfD-Chef Bernd Lucke anfangs auch um Sarrazin als prominentes Mitglied bemüht. Jedenfalls sind mehrere AfD-Funktionär*innen in Vergangenheit als Unterstützer*innen von Sarrazins rassistischen und sozialdarwinistischen Thesen aufgefallen. Nun wird ein Vortrag mit Sarrazin für den 19. September im Hotel zum Frieden in Bad Iburg angekündigt. Veranstalter ist der Iburger Salon im AfD-Kreisverband Osnabrück.
Sarrazin als Referent bei der AfD

Sarrazin erneut bei rechtspopulistischer FPÖ

Sarrazin sprach wohl am 15. Mai 2014 für den „Liberalen Klub“ in Graz, also für die FPÖ. Mit von der Partie waren HC Strache (FPÖ-Bundesparteiobmann), Harald Vilimsky (FPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl) und Peter Fichtenbauer (Präsident des „Liberalen Klubs“). In der direkten Vorwahlzeit dürfte das eine indirekte FPÖ-Wahlkampfveranstaltung gewesen sein.

Sarrazins neues Buch über ‚Tugendterror‘ erschienen

Sarrazins Tugendterror-Buch
Mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren erschien Ende Februar 2014 Sarrazins neues Buch „Der neue Tugendterror – Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“. Es handelt sich vor allem um eine Selbstinszenierung Sarrazins, in der er sich auf 350 Seiten als Verfolgter gibt. Werbung für das Buch soll in „Die Welt“, „Die Zeit“, der FAZ und auf ZEIT-Online erschienen sein.
Sarrazins Selbstdarstellung als totgeschwiegen und ausgegrenzt verwundert sehr. Wie Kritiker_innen ausrechneten konnte er zwischen August 2010 und März 2012 in mindestens 23 Wortlautinterviews mit zwölf unterschiedlichen Printmedien seine Thesen ausführlich darstellen und verteidigen. Außerdem kam er mindestens elf Mal in TV-Sendungen und Talkshows zu Wort. Insgesamt war er acht Stunden im Fernsehen zu sehen und kam dabei mindestens 120 Minuten lang zu Wort.
Dass sein Euro-Buch nach „Deutschland schafft sich ab“ nur ein Zehntel der Auflage des Vorgängers erreichte und er zu diesem Thema ‚nur‘ fünf Interviews und fünf Fernsehauftritte absolvierte, ist auch nicht das Ergebnis von bewussten Totschweigen wie Sarrazin behauptet.
Auch das neue Buch droht eher ein Flop zu werden. Die Rezensionen sind mehrheitlich negativ und die Aufmerksamkeit gering. Offenbar wirkt Sarrazins Klagelied als angebliches Opfer von Denk- und Sprechverboten kaum überzeugend.
Nur der Kern an Sarrazin-Fans z.B. die Leserschaft des antimuslimischen Hetzblogs PI-News lobt Sarrazins neuestes Buch.