Wirbel um Sarrazins neuestes Buch

Das neueste Buch von Thilo Sarrazin soll „Feindliche Übernahme“ heißen und sich am Islam abarbeiten. Allerdings erscheint es nicht in Sarrazins Hausverlag, der Verlagsgruppe Random House bzw. dessen Unterverlag „DVA Sachbuch“. Darüber bzw. die Rückerstattung eines Vorschusses an Sarrazin kam es sogar zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung.
Nun soll das Buch im August im Münchner „FinanzBuch Verlag“ (FBV) unter dem Titel „Feindliche Übernahme − Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ erscheinen.
Sarrazins neuestes Buch
Im Ankündigungstext heißt es u.a.:

„Das Zurückbleiben der islamischen Welt, die Integrationsdefizite der Muslime in Deutschland und Europa sowie die Unterdrückung der muslimischen Frauen sind eine Folge der kulturellen Prägung durch den Islam. Das zeigt Thilo Sarrazin in seinem neuen Bestseller. […] Unsere Kultur und Gesellschaft lassen sich nur schützen, indem die weitere Einwanderung von Muslimen gestoppt und die Integration der bei uns lebenden Muslime mit robusten Mitteln vorangetrieben wird. […] Thilo Sarrazin spannt einen Bogen von den Aussagen des Korans zur mentalen Prägung der Muslime, von da weiter zu Eigenarten und Problemen muslimischer Staaten und Gesellschaften und schließlich zu den Einstellungen und Verhaltensweisen von Muslimen in den Einwanderungsgesellschaften des Westens.“

Die Wahl dieses Verlags überrascht nur wenig. Zwar ist der FBV ein Verlag mit Schwerpunkt im Bereich Anleger-, Börsen- und Finanzliteratur, aber er brachte immer wieder Bücher dezidiert rechter AutorInnen heraus. Es besteht offenbar auch eine gewisse Nähe zur Hayek-Gesellschaft bzw. der von dieser vertretenen „Österreichischen Schule“, einer Variante neoliberaler Ideologie. Deren Protagonisten Gerard Bökenkamp, Philipp Bagus und Carlos A. Gebauer sind alle Buchautoren im FBV.
Im vergangenen Jahr war im selben Verlag das Buch „Merkel. Eine kritische Bilanz“, herausgegeben von Philip Plickert, erschienen. Es handelt sich um einen Sammelband mit Beiträgen von rechten Merkel-GegnerInnen: Thilo Sarrazin, Necla Kelek, Cora Stephan, Norbert Bolz, Roland Tichy, Werner J. Patzelt, Wolfgang Ockenfels, Ralf Georg Reuth, Birgit Kelle, Daniel Koerfer, Dominik Geppert, David Marsh, Henning Klodt, Stefan Kooths, Justus Haucap, Michael Wolffsohn, Rafael Seligmann, Anthony Glees, Boris Kálnoky, Andreas Unterberger, Christopher Caldwell und Erich Vad.
Zudem erscheint im FBV seit Oktober 2016 das rechtskonservative Magazin „Tichys Einblick“ als Druckausgabe.
Weitere rechte AutorInnen des FBV sind der Verschwörungsideologe Oliver Janich („Die Vereinigten Staaten von Europa – Geheimdokumente enthüllen: Die dunklen Pläne der Elite“), der Rechtspopulist Donald J. Trump („Warum wir wollen, dass Sie reich werden. Zwei Männer – eine Botschaft“, „Wie man reich wird. Ansichten und Einsichten eines Multimilliardärs“), der AfD-Sympathisant Matthias Matussek („White Rabbit oder Der Abschied vom gesunden Menschenverstand“) oder Dr. Rainer Zitelmann („Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, „Reich werden und bleiben. Ihr Wegweiser zur finanziellen Freiheit“), ein „Wortführer der Neuen Rechten“ (Spiegel) in den 1990er Jahren.

Thilo Sarrazin schreibt in rechtslibertären Blatt

Sarrazins ef-Kolumne
Seit der Ausgabe Nummer 159, Januar/Februar 2016, schreibt das SPD-Mitglied Thilo Sarrazin, für das rechtslastige Blatt „eigentümlich frei“ (ef), in einer eigenen Kolumne mit dem Titel „Fakt ist…“. Das Monatsmagazin ef weist Überschneidungen zur extremen Rechten auf und vertritt auf Wirtschaftsebene einen marktradikalen Kurs. In letzter Zeit sympathisierte ef auf parteipolitischer Ebene mit der AfD.

Sigmar Gabriel für Sarrazins Verbleib in der SPD

Aus einem Artikel in der „Hannoverschen Allgemeinen“ über den Auftritt von Sarrazin in Bad Iburg:

„Vor wenigen Monaten erst habe er die von Parteichef Sigmar Gabriel unterzeichnete Ehrenurkunde für 40 Jahre Mitgliedschaft in der SPD erhalten, erzählt er. Gabriel war es, der ihn unbedingt aus der Partei haben wollte. 2011 hatte die SPD ein Parteiausschlussverfahren angestrengt, das aber eingestellt werden musste.“

Ähnliches sagte Thilo Sarrazin auch im Interview mit der „Berliner Morgenpost“:

„Nachdem das Parteiausschlussverfahren gegen mich gescheitert war, rief mich Sigmar Gabriel an und bat mich, die Streitaxt zu begraben. Daran habe ich mich bis heute gehalten und gedenke das auch weiterhin zu tun.“

Sarrazin als Redner bei der AfD

Während Sarrazin im Ausland ohne Folgen für seine SPD-Mitgliedschaft bereits bei den rechtspopulistischen Parteien FPÖ und SVP auftreten konnte, hatte er sich bisher von der AfD fern gehalten. Dabei wird diese Parteineugründung von Kritiker*innen teilweise als „Sarrazin-Partei“ eingeschätzt. Gerüchten zufolge hat sich der AfD-Chef Bernd Lucke anfangs auch um Sarrazin als prominentes Mitglied bemüht. Jedenfalls sind mehrere AfD-Funktionär*innen in Vergangenheit als Unterstützer*innen von Sarrazins rassistischen und sozialdarwinistischen Thesen aufgefallen. Nun wird ein Vortrag mit Sarrazin für den 19. September im Hotel zum Frieden in Bad Iburg angekündigt. Veranstalter ist der Iburger Salon im AfD-Kreisverband Osnabrück.
Sarrazin als Referent bei der AfD

Sarrazin erneut bei rechtspopulistischer FPÖ

Sarrazin sprach wohl am 15. Mai 2014 für den „Liberalen Klub“ in Graz, also für die FPÖ. Mit von der Partie waren HC Strache (FPÖ-Bundesparteiobmann), Harald Vilimsky (FPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl) und Peter Fichtenbauer (Präsident des „Liberalen Klubs“). In der direkten Vorwahlzeit dürfte das eine indirekte FPÖ-Wahlkampfveranstaltung gewesen sein.



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