Kluge und kritische Zitate zu der Sarrazin-Debatte
Sarrazin.entgegentreten

Es ist an Absurdität kaum zu übertreffen, dass man seinen Lebensstandard durch Kinder verbessern können soll. Diese Frauen brauchen mehr und nicht weniger staatliche Unterstützung für ihre Kinder – und keine zynischen Kommentare von Herrn Sarrazin.

Michael Pausder, Sprecher des Sozialverbandes VdK, 2009

Die Rasse, die Sarrazin wegen ihrer zur Hälfte genetisch bedingten Defizite haßt, ist die „Unterschicht“. Gegen deren Ansprüche und Aufsässigkeit, ja gegen deren Existenz verteidigt er die Leistungsträger der Gesellschaft.

Hermann L. Gremliza: Der real existierende Asozialismus, in: „Konkret“ 11/2009

Die Rasse, die Sarrazin wegen ihrer zur Hälfte genetisch bedingten Defizite haßt, ist die „Unterschicht“. Gegen deren Ansprüche und Aufsässigkeit, ja gegen deren Existenz verteidigt er die Leistungsträger der Gesellschaft.

Hermann L. Gremliza: Der real existierende Asozialismus, in: „Konkret“ 11/2009

Wer die Juden über ihr Erbgut zu definieren versucht, auch wenn das vermeintlich positiv gemeint ist, erliegt einem Rassenwahn, den das Judentum nicht teilt.

Stephan J. Kramer (Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland)

Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte.

Stephan J. Kramer (Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland): „Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte“, Gastbeitrag in „Der Tagesspiegel“ vom 13. Oktober 2009, http://www.zentralratdjuden.de/de/article/2686.html?sstr=sarrazin

Und wie viel Menschenhass muss jemand wie Sarrazin empfinden, der ganze Menschengruppen als Unterschicht definiert und ihr Recht auf Fortpflanzung infrage stellt? Der Arbeitslose wie Alleinerziehende, Türken wie Araber in einen Topf wirft und stigmatisiert?

Stephan J. Kramer (Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland): „Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte“, Gastbeitrag in „Der Tagesspiegel“ vom 13. Oktober 2009, http://www.zentralratdjuden.de/de/article/2686.html?sstr=sarrazin

Da hilft auch Sarrazins plumpe Anbiederung nicht, osteuropäische Juden hätten einen um fünfzehn Punkte über dem Durchschnitt liegenden Intelligenzquotienten. Die Integrationsprobleme, die die deutsche Gesellschaft im frühen 21. Jahrhundert plagen, sind sozialen und kulturellen Ursprungs, nicht aber genetisch bedingt. Eine genetische Einteilung der Menschheit in Superkluge und Dumme, Nutzbringende und Nutzlose, Oberschicht und Unterschicht – das ist Rassismus pur.

Stephan J. Kramer (Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland): „Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte“, Gastbeitrag in „Der Tagesspiegel“ vom 13. Oktober 2009, http://www.zentralratdjuden.de/de/article/2686.html?sstr=sarrazin

Tatsächlich ist das Elementare bei Sarrazin das Biologische. Kulturell ist bei ihm ein Deckwort für genetisch. Hat man dies begriffen, liest man Sarrazins Sorge um die „kulturelle Identität“, die „kulturelle Substanz“ und den „Volkscharakter“ Deutschlands mit anderen, den richtigen biologischen Augen. Obwohl halb verschwiegen, tritt die These in seinem Buch klar hervor: Die islamische Immigration nach Deutschland muss gestoppt werden – und zwar aus „letztlich“ genetischen Gründen.

Christian Geyer: So wird Deutschland dumm, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 26. August 2010

Das ganze Buch liest sich wie ein antimuslimisches Dossier auf genetischer Grundlage.

Christian Geyer: So wird Deutschland dumm, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 26. August 2010

Ich halte Obstverkäufer für mindestens so einen ehrwürdigen Beruf wie Bundesbanker.

Michel Friedman, 2010

Verwundert ist man allerdings darüber, dass Sarrazin keine weitergehenden theoretischen Überlegungen anstellt: was passiert, wenn man einen Juden mit einem Türken „kreuzt“? Werden die Reproduktionsprodukte dann faule Kluge oder dumme Fleißige?

Ramona Ambs: Neo-Sarrazismus: Rassismus ohne Rassisten, 29.08.2010

Sarrazin befindet sich mit seinen Thesen längst auf eindeutig rassistischem Terrain. Und deshalb lohnt sich die Beschäftigung mit ihm eigentlich auch nicht. Eigentlich,- wenn da nicht eine seltsame Allianz zustande gekommen wäre: Eine Allianz aus einem einstmals seriösen Verlag, der dva, der sogar eine Pressesperre für Vorabrezensionen des Buchs verhängte, und zweier Medien, die vorab mit Lese-Häppchen gefüttert wurden: der BILD-Zeitung und dem SPIEGEL, die in dieser Kombination dafür sorgten, dass Sarrazins Thesen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und nun überall diskutiert werden.

Ramona Ambs: Neo-Sarrazismus: Rassismus ohne Rassisten, Hagalil-Online, 29.08.2010

Der eigentliche Skandal ist nicht Sarrazin – denn von ihm weiß man allerspätestens nach seinem Interview mit dem Lettre International, wo er politisch steht. Der eigentliche Skandal ist der Umgang der Medien und der Politik mit ihm.
Sarrazin verbreitet Rassismus und einen als Philosemitismus getarnten Antisemitismus, der von den Medien als Meinungsfreiheit und Tabubrecherei eingeordnet wird. Warum eigentlich? Wer ist denn dann ein Rassist, wenn nicht einer, der rassistische Dinge äußert und versucht, sie pseudowissenschaftlich zu belegen? Warum hofiert man diesen Mann so? Warum „erwägt“ man bei der SPD ein Austrittsverfahren und leitet es nicht einfach ein? Warum wird nicht wenigstens versucht, ihn aus seinem angesehenen Job bei der Bundesbank zu entlassen? Ist Rassismus heutzutage keine „schwerwiegende Entgleisung“ (Voraussetzung für eine mögliche Entlassung durch den Bundespräsidenten) mehr? Warum traut man sich in den Medien nicht, Sarrazin als das zu bezeichnen, was er ist: Schlicht und ergreifend: ein Rassist?

Ramona Ambs: Neo-Sarrazismus: Rassismus ohne Rassisten, 29.08.2010

Es kann nicht sein, dass Sarrazin seinen Rassismus verbreitet , der dann hernach als „hilfreicher Debattenbeitrag“ und lediglich „überspitzt“ oder „missverständlich formuliert“ von einem breiten Rezensorium beklatscht und gefeiert – und somit verharmlost und letztlich gesellschaftsfähig wird.

Ramona Ambs: Neo-Sarrazismus: Rassismus ohne Rassisten, 29.08.2010

Mit Sarrazins These, Dummheit und Klugheit seien genetisch angelegt, legt er das Fundament für eine rassistische Sicht auf ein soziales Problem.

Kommentar „Sarrazin schafft Klarheit“ von Uwe-Karsten Heye (Chefredakteur des „vorwärts“), vorwärts.de, 30.08.2010

Es gibt keine neuen Erkenntnisse oder wissenschaftlich seriösen Thesen in seinem Buch, dennoch ist es wichtig, weil es die Tür zu einem Dachboden öffnet, auf dem sich Manches angesammelt hat: Ängste, Falschinformationen, Mutmaßungen und jede Menge Projektionen. Manche seiner Beschreibungen treffen auch glatt zu – aber mit den von ihnen vermuteten Ursachen haben sie wiederum nichts zu tun.

Nils Minkmar: Ein Mann auf verlorenem Posten, in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 02. September 2010

Man muss das klar benennen: Westerwelle hat Sarrazin ein Stück weit den Weg bereitet. In dem Moment, in dem sich Vertreter demokratischer Parteien entweder aus Neigung oder politischem Kalkül solcher ressentimentgeladener Reden bedienen, heizen sie diese Diskurse an.

Oliver Decker (lehrt Sozialpsychologie und Organisationspsychologie an der Universität Siegen sowie an der Philosophischen Fakultät der Universität Hannover und ist einer der Autoren der Studie „Die Mitte in der Krise“, die er im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gefertigt wurde), im Interview mit der Süddeutschen, 14.10.2010

Sarrazin hat sich ja bereits in der Vergangenheit gegen sozial Schwächere geäußert, das richtet sich ja bei ihm nicht nur gegen Migranten, sondern auch Hartz-IV-Empfänger. Der Resonanzraum, der Sarrazin nun zum Schwingen gebracht hat, existierte also schon, bevor er sein Buch veröffentlicht hat. Entsprechende Ausfälle gegenüber Menschen mit ausländischem und muslimischem Hintergrund hat es ja schon vorher gegeben. Offensichtlich werden sie nun begierig aufgegriffen. Scheinbar brauchen viele Menschen einen Blitzableiter, Sündenböcke, ein Feindbild.

Oliver Decker (lehrt Sozialpsychologie und Organisationspsychologie an der Universität Siegen sowie an der Philosophischen Fakultät der Universität Hannover und ist einer der Autoren der Studie „Die Mitte in der Krise“, die er im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gefertigt wurde), im Interview mit der Süddeutschen, 14.10.2010